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Erinnern ist Arbeit - Film / Texte / Künstlerische Kommentare

Sa. 12.01.19 18:00 Uhr

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FILM:
Einar Schleef (1944–2001) war nicht nur ein herausragender Theatermacher, sondern auch als Autor, Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Fotograf und Schauspieler ein besonders vielseitiger Gegenwartskünstler. So heißt es in dem Nachruf von Elfriede Jelinek: “Es hat nur zwei Genies in Deutschland nach dem Krieg gegeben, im Westen Fassbinder, im Osten Schleef.”
Einar Schleef fehlt, er ist mit seinen kompromisslosen, oft umstrittenen Inszenierungen immer wieder an die Grenzen des institutionalisierten Theaterbetriebs gestoßen – sei es Strindbergs “Fräulein Julie” (mit B.K. Tragelehn, 1975), Hochhuths “Wessis in Weimar” (1993), beide am Berliner Ensemble, oder Jelineks “Sportstück” (1998) am Wiener Burgtheater. Schleef, der “kein Deutschland gefunden” hat, weder im Osten, noch im Westen und schon gar nicht nach dem Mauerfall, steht als Solitär in der deutschen Theaterlandschaft. Als im Westen das Individuum auf der Bühne gefeiert wurde, holte Schleef in den 1980er-Jahren am Frankfurter Schauspiel den Chor zurück auf die Bühne. Damals oft missverstanden und angefeindet, gilt er damit bis heute als Visionär.

Im dreißigsten Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer soll anlässlich seines 75. Geburtstages an die Arbeit des radikalen Theatermachers und Autors erinnert, sollen seine Texte wieder hörbar ge­macht werden.

“Erinnern ist Arbeit. Was ich beim Verlassen der DDR nicht wusste, wie groß mein inneres Gepäck wurde und wie mächtig die Erinnerungen, und wie schwer die Erschütterung durch die neue Umgebung, die neuen Lebensverhältnisse, war”, heißt es 1992 in seinem fünfbändigen “Tagebuch 1953–2001”, das er bereits als Neunjähriger zu schreiben begann und bis zu seinem frühen Tod immer wieder überschrieben und rückblickend kommentiert hat. Insbesondere dieses umfangreiche Tagebuch, eine Erinnerung “von unten”, in der Schleef schonungslos Alltägliches und Geschichte miteinander verwebt, ist sowohl der Ausgangspunkt der HAU-Koproduktion “Tarzan rettet Berlin” von Audick/Bosse/Cuvelier/ Groß als auch der Veranstaltung “Erinnern ist Arbeit”, kuratiert von Hans-Ulrich Müller-Schwefe, Aenne ­Quiñones und Sabine Reich. Es wird der Film “Im freien Fall nach oben, Regisseur Einar Schleef und das Theater heute.” (1993, 44min) von Wilma Kottusch gezeigt, die Schau­spie­ler*in­nen Benny Claessens und Mira Par­tecke lesen Schleef-Texte und verschiedene Künstler*innen – Etel Adnan, Jan Brokof, Fabian Hinrichs, Luise Meier, Masha Qrella und Tatjana Turanskyj – wurden eingeladen, Schleefs Werk aus heutiger Sicht zu kommentieren.
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TEXTE:
Einar Schleef (1944–2001) war nicht nur ein herausragender Theatermacher, sondern auch als Autor, Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Fotograf und Schauspieler ein besonders vielseitiger Gegenwartskünstler. So heißt es in dem Nachruf von Elfriede Jelinek: “Es hat nur zwei Genies in Deutschland nach dem Krieg gegeben, im Westen Fassbinder, im Osten Schleef.”
Einar Schleef fehlt, er ist mit seinen kompromisslosen, oft umstrittenen Inszenierungen immer wieder an die Grenzen des institutionalisierten Theaterbetriebs gestoßen – sei es Strindbergs “Fräulein Julie” (mit B.K. Tragelehn, 1975), Hochhuths “Wessis in Weimar” (1993), beide am Berliner Ensemble, oder Jelineks “Sportstück” (1998) am Wiener Burgtheater. Schleef, der “kein Deutschland gefunden” hat, weder im Osten, noch im Westen und schon gar nicht nach dem Mauerfall, steht als Solitär in der deutschen Theaterlandschaft. Als im Westen das Individuum auf der Bühne gefeiert wurde, holte Schleef in den 1980er-Jahren am Frankfurter Schauspiel den Chor zurück auf die Bühne. Damals oft missverstanden und angefeindet, gilt er damit bis heute als Visionär.

Im dreißigsten Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer soll anlässlich seines 75. Geburtstages an die Arbeit des radikalen Theatermachers und Autors erinnert, sollen seine Texte wieder hörbar ge­macht werden.

“Erinnern ist Arbeit. Was ich beim Verlassen der DDR nicht wusste, wie groß mein inneres Gepäck wurde und wie mächtig die Erinnerungen, und wie schwer die Erschütterung durch die neue Umgebung, die neuen Lebensverhältnisse, war”, heißt es 1992 in seinem fünfbändigen “Tagebuch 1953–2001”, das er bereits als Neunjähriger zu schreiben begann und bis zu seinem frühen Tod immer wieder überschrieben und rückblickend kommentiert hat. Insbesondere dieses umfangreiche Tagebuch, eine Erinnerung “von unten”, in der Schleef schonungslos Alltägliches und Geschichte miteinander verwebt, ist sowohl der Ausgangspunkt der HAU-Koproduktion “Tarzan rettet Berlin” von Audick/Bosse/Cuvelier/ Groß als auch der Veranstaltung “Erinnern ist Arbeit”, kuratiert von Hans-Ulrich Müller-Schwefe, Aenne ­Quiñones und Sabine Reich. Es wird der Film “Im freien Fall nach oben, Regisseur Einar Schleef und das Theater heute.” (1993, 44min) von Wilma Kottusch gezeigt, die Schau­spie­ler*in­nen Benny Claessens und Mira Par­tecke lesen Schleef-Texte und verschiedene Künstler*innen – Etel Adnan, Jan Brokof, Fabian Hinrichs, Luise Meier, Masha Qrella und Tatjana Turanskyj – wurden eingeladen, Schleefs Werk aus heutiger Sicht zu kommentieren.

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